Die Balearen mit ihren türkisfarbenen Buchten und mondänen Yachthäfen haben ihren Reiz, keine Frage. Aber wer schon einmal den Fuß auf eine der Kanarischen Inseln gesetzt hat, weiß, dass dort eine ganz andere Welt beginnt. Eine Welt aus Feuer und Wind, aus schwarzem Vulkansand und goldgelben Dünen. Es ist ein Gefühl von Freiheit und Weite, das dich packt, sobald du den Fuß aus dem Flugzeug setzt.
Die Kanaren – Fuerteventura, Lanzarote, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, El Hierro und La Palma – sind wie eine kleine, ferne Galaxie mitten im Atlantik. Jede Insel hat ihre eigene Persönlichkeit, ihren eigenen Herzschlag. Lanzarote ist die Künstlerin mit den Mondlandschaften, Gran Canaria die Diva mit den prächtigen Sanddünen, und Teneriffa die Bergsteigerin mit dem majestätischen Teide.
Aber da ist eine, die mich persönlich ganz besonders in ihren Bann gezogen hat: Fuerteventura. Manchmal spöttisch als „die karge Wüste“ bezeichnet, ist sie für mich die stille Schönheit unter den Kanaren. Sie ist rau, ungeschminkt und auf den ersten Blick vielleicht sogar ein wenig spröde. Doch wer sich die Zeit nimmt, ihre Geheimnisse zu ergründen, wird eine Insel finden, die berührt und nie wieder loslässt.
Fuerteventura: Das Herz, das im Rhythmus des Windes schlägt
Der erste Eindruck von Fuerteventura ist oft überwältigend. Endlose Weite, die von sanften, rostfarbenen Hügeln durchzogen ist. Dazwischen immer wieder der Kontrast von tiefblauem Meer und strahlend weißem Sand. Es ist eine Insel, die man mit dem Wind spürt, der unaufhörlich über sie hinwegfegt. Er trägt den Duft von Salz, Meer und Vulkanstaub in sich und erzählt dir Geschichten von fernen Küsten.
Fuerteventura hat nicht die üppige Vegetation von La Palma oder die bizarren Felsformationen von La Gomera. Stattdessen punktet sie mit einer wilden, fast mystischen Schönheit. Die Strände hier sind nicht einfach nur Badebuchten; sie sind riesige, offene Landschaften, in denen man sich verlieren kann. Kilometerlange, goldgelbe Strände im Süden, die sich wie weiche Teppiche anfühlen, und der pechschwarze, raue Vulkansand im Norden, an dem die Brandung tobt.
Für mich ist Fuerteventura der Inbegriff von entschleunigtem Reisen. Hier gibt es keine Hektik, keine übermäßigen Touristenzentren. Stattdessen gibt es Zeit für sich selbst, Zeit, um am Meer entlangzuwandern, in den Wellen zu surfen oder einfach nur den Sternenhimmel zu betrachten, der hier klarer und leuchtender scheint als anderswo.
Von wilden Wellen und verwunschenen Orten
Der Norden der Insel ist besonders reizvoll. In Corralejo – wo die Insel wild und charmant zugleich ist pulsiert das Leben. Früher ein kleines Fischerdorf, ist es heute ein lebendiger Ort, der seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Schmale Gassen mit bunten Tapas-Bars, kleine Boutiquen und der Hafen, von dem aus Fähren nach Lanzarote übersetzen, bilden eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Hier trifft man Surfer aus aller Welt, die von den perfekten Wellen der Region angelockt werden. Aber auch wer es ruhiger mag, findet sein Glück: Gleich hinter der Stadt beginnt der Naturpark der Dünen von Corralejo. Eine surreale, wüstenähnliche Landschaft, die direkt ins Meer fließt. Man kann stundenlang durch die Dünen wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen, und fühlt sich wie in einer anderen Welt.
Ein Kontrast dazu ist die abgeschiedene Halbinsel Jandía im Süden. Eine fast unberührte Region, die man am besten mit einem Geländewagen erkundet. Die Straße dorthin ist eine Herausforderung, aber sie führt zu einem Ort, der dich sprachlos machen wird: dem Strand von Cofete. Unendlich lang, wild und fast immer menschenleer. Hier ist die Natur der absolute Herrscher. Hinter dem Strand, versteckt in den Bergen, liegt ein geheimnisvoller Ort, der Geschichten erzählt, ohne ein Wort zu sagen. Ein mysteriöser, deutscher Bau, der sich in die raue Landschaft einfügt und viele Geschichten und Mythen birgt. Ein Ort, der dich zum Nachdenken anregt und eine ganz besondere, geheimnisvolle Stimmung hat.
Das Wandern auf Fuerteventura ist ein weiteres Highlight. Die Insel mag auf den ersten Blick flach wirken, doch in der Mitte, rund um das Dorf Betancuria, erheben sich sanfte, aber beeindruckende Berge. Alte Hirtenpfade führen durch eine fast unberührte Landschaft mit atemberaubenden Aussichten. Man begegnet Ziegen, sieht Greifvögel am Himmel kreisen und spürt die Geschichte der Insel in jedem Schritt. Der Wind pfeift um die Ohren und man fühlt sich klein und frei in dieser unendlichen Weite.
Wer sich eine Auszeit vom Trubel gönnen und die Seele baumeln lassen will, findet hier zahlreiche Möglichkeiten. Abseits der großen Orte gibt es kleine, gemütliche Dörfer, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Hier kann man auf kleinen Märkten handgemachten Ziegenkäse probieren, frischen Fisch direkt vom Fischer kaufen oder einfach nur in einem der kleinen Cafés sitzen und dem Alltag entfliehen.
Die Qual der Wahl: wo übernachten, wenn man es authentisch mag?
Die Suche nach der perfekten Unterkunft kann eine Herausforderung sein, aber auf Fuerteventura findet man wahre Schätze. Wer es ruhig und authentisch mag, sollte sich nach Unterkünften umsehen, die nicht in den großen Hotelkomplexen liegen. Es gibt wunderbare, kleine Landhotels, Fincas oder Ferienhäuser, die eine ganz besondere Atmosphäre bieten. Häufig sind es liebevoll restaurierte Häuser, die den traditionellen Insel-Stil bewahrt haben. Hier wacht man mit dem Geräusch der Wellen auf, genießt das Frühstück auf der eigenen Terrasse mit Blick aufs Meer und fühlt sich nicht wie ein Tourist, sondern wie ein Teil der Insel. Unterkünfte auf Fuerteventura, die Ruhe, Meerblick und echtes Inselgefühl verbinden, sind der perfekte Ausgangspunkt für alle, die das echte Fuerteventura kennenlernen wollen, weitab vom Massentourismus.
Mehr als nur ein Reiseziel – ein Gefühl
Fuerteventura ist für mich mehr als nur ein Reiseziel. Es ist ein Gefühl. Das Gefühl von Weite, von Freiheit, von unbändiger Natur. Eine Insel, die nicht mit pompösen Sehenswürdigkeiten lockt, sondern mit ehrlicher, ursprünglicher Schönheit. Sie erfordert ein wenig Geduld, um ihre Magie zu entfalten. Aber wer sich darauf einlässt, wird belohnt. Mit Sonnenuntergängen, die den Himmel in die prächtigsten Farben tauchen, mit Stränden, die so unendlich weit sind, dass man den Alltag hinter sich lassen kann, und mit einer Stille, die man kaum noch kennt.
Die spanischen Inseln bieten so viel mehr als die immer gleichen Klischees. Sie sind eine Schatzkiste voller unterschiedlicher Charaktere. Fuerteventura ist vielleicht nicht die schillerndste, aber für mich die mit dem größten Herzen. Eine, die man einmal im Leben besucht haben sollte, um zu spüren, wie die Welt sein kann, wenn man sich von den ausgetretenen Pfaden löst und den Wind als Kompass wählt.
Und wer weiß, vielleicht findest du ja auch dein ganz persönliches Insel-Paradies. Welches Gefühl von Freiheit suchst du auf deiner nächsten Reise?
